Monetarisierung 2.0

Dem Geld darf man nicht nachlaufen,
man muss ihm entgegenkommen.
(Aristoteles Onassis)

Keine Angst, dies wird kein weiterer Artikel, der sich mit dem ROI von Social Media Aktivitäten befasst – denn auch ich bin der Meinung, es heißt „Social Media“ und nicht „Sales Media“.
Ich möchte hier einen Blick auf die Einnahmemöglichkeiten werfen, die sich den verschiedenen Social Media Plattformen selbst bieten.

Die einfachste und am verbreitest Möglichkeit ist es, Werbeflächen zu vermieten.
Hier ist Google, bzw. YouTube (bei G+ ist mir irgendwie noch keine Werbung untergekommen) natürlich ganz vorne mit dabei.
Bereits 2008 wies PricewaterhouseCoopers in einer Studie darauf hin, dass Geschäftsmodelle im Social Media Bereich ohne Einnahmen aus Werbung fast unmöglich sind. Auch wenn ich aus heutiger Sicht der Studie nicht mehr zu viel Aussagekraft zugestehen würde – zu viel hat sich mittlerweile geändert – eine Sache ist aber gleich geblieben: Ohne Einnahmen läuft nix!
Auch wenn Social Media Plattformen in den ersten Gründungsjahren von Finanzierungsrunden leben können, irgendwann muss Geld verdient werden und das geht auch hier am Einfachsten mit Werbung – doch es haben sich auch andere Einnahmeformen entwickelt, die vielleicht nachhaltiger sein könnten …

Facebook – weg von reiner Werbung

Facebook nutzt Werbung bisher als Haupt-Einnahmequelle und erzielte im Jahr 2011 immerhin einen Umsatz von 3,71 Mrd. $.
Die Entscheidung von General Motoros kurz vor dem Facebook-Börsengang, den Facebook-Werbeetat von 10 Mio. $ zu streichen – obwohl es gerade bei Facebook möglich ist, Werbung absolut zu personalisieren, also ohne die sonst üblichen großen Streuverluste aufzukommen – zeigt, wie unkalkulierbar diese Einnahmequelle ist.
Ein weiteres Problem ist, dass die mobile Nutzung über die Facebook-App stark ansteigt und über diesen Kanal (noch) keine „klassische“ Onlinewerbung ausgeliefert wird.

Ob das neueste Feature, die bezahlte Hervorhebung von Statusnachrichten für Pages, eine deutliche Einnahmesteigerung bringt, bleibt abzuwarten; dieses Feature bietet jedoch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: bei tausenden Meldungen nicht nur zu den sichtbaren paar Prozent des großen Grundrauschens zu gehören, sondern garantiert nicht unterzugehen.

Facebook baut seine Einnahmestrukturen langsam um, waren 2010 Werbeeinnahmen noch für 99% der Gesamteinnahmen verantwortlich, sind es aktuell nur noch 82%.
Die Umstellung aller Apps auf die Facebook-Währung „Facebook Credits“ war bereits ein Schritt in diese Richtung, bringt es doch eine ordentliche Beteiligung am Umsatz der jeweiligen Anbieter. Gerade durch das Facebook App Center wird die Verbreitung der Apps – und damit auch die Einnahmen – wohl noch einmal kräftig angekurbelt.

StudiVZ kassiert für Unternehmensdarstellung

StudiVZ hat unlängst wegen seiner sehr ungewissen Zukunft von sich reden gemacht, dabei ging unter, dass es als Werbeplattform wohl durchaus erfolgreich ist. Neben klassischer Online-Werbung setzt man hier auf Social Commerce und die Möglichkeit die Zahlungsfähigste Zielgruppe zu melken: Unternehmen.
Die 2009 eingeführten Edelprofile schlugen mit immerhin 3.000 € pro Monat zu Buche und waren für Unternehmen die einzige Möglichkeit ein Pendant zur Facebook-Page zu bekommen.
Diese Variante ist zwar im Grunde auch eine Art Vermietung von Werbefläche, hatten doch sonst Unternehmen keine Chance sich auf den VZ-Netzwerken ordentlich zu präsentieren, es fällt den Usern aber deutlich weniger auf.

Wikipedia setzt ganz auf Spenden

Man kann natürlich auch mit dem Klingelbeutel umhergehen und sich die Kaffeekasse füllen lassen. Wikipedia, bzw. die Wikimedia Foundation, hat im Geschäftsjahr 2010/11 über 500.000 Einzelspenden erhalten und erzielte Spendeneinnahmen in einer Gesamthöhe von 24 Mio. $.
Natürlich erhält die Wikimedia Foundation auch Großspenden oder Sachspenden von Unternehmen (Server, …) aber gerade die Möglichkeit auch nur 1 oder 5 $ zu spenden wird weltweit fleißig genutzt, sind es doch diese kleinen Beträge, die jeder regelmäßige Wikipedia-Nutzer verschmerzen kann und dann gerne bereit ist  zu geben – auch wenn die jährlichen Spendenaufrufe mitunter leicht nerven …

Twitter promoted alles was geht

Twitter hat durch die extrem hohe Nutzung von Desktop-Clients und Smartphone Apps das Problem trotz über 140 Millionen aktiver Nutzer und über 340 Millionen Tweets pro Tag mit vergleichsweise wenig Uniqe Visitors (~ 40 Miollionen) aufwarten zu können. „Klassische“ Onlinewerbung ist also nicht möglich.
Was liegt da näher, als eine eigene Werbeform zu erfinden, die auf die eigene Plattform zugeschnitten ist. Promoted Tweets, Promoted Trends oder Promoted Accounts und ganz neu das gepimpte Profil (Enhanced Profile Page) stehen zur Wahl.
Diese Werbeformen brachten 2011 immerhin 139,5 Mio. $ ein.

XING mit buntem Mix und Focus auf Premium-Zugang

XING nutzt einen bunten Mix an Einnahmemöglichkeiten, neben Unternehmensbeteiligungen, Partnerschaften und „klassischer“ Onlinewerbung ist der auffälligste sicherlich die Premium-Mitgliedschaft.
Im 1. Quartal 2012 haben sich von den 12,1 Millionen Mitgliedern immerhin 793.000 dafür entschieden, für eine monatliche Gebühr mehr Funktionsumfang zu erhalten.
Auch die Möglichkeit sich als Firma ausführlich zu präsentieren, die es seit 2009 gibt, wird mittlerweile mit 90.000 Unternehmensprofile stark genutzt – gerade hier ist davon auszugehen, dass sich die wenigsten Firmen mit dem kostenlosen Basispaket zufrieden gaben.
XING generierte 2011 einen Gesamtumsatz von 66,2 Mio. €.

Partnerportale – Zugang nur gegen cash.

Partnerportale, wie etwa ElitePartner oder PARSHIP, setzen bereits seit sehr langer Zeit auf die lukrative Einnahmequelle der Paid Memerbships.
Im Vergleich zu anderen Portalen, die kostenpflichtige Zugänge anbieten, ist die Limitierung der kostenfreien Zugänge bei Partnerportalen extrem, so sind bereits elementarste Funktionen, wie Nachrichten nicht kostenlos möglich. Dadurch wird quasi ein Zwang zur Premium-Mitgliedschaft erzeugt. Parallel dazu sind die Mitgliedsbeiträge mehr als happig – 25-70 € pro Monat sind durchaus üblich, je nach Vertragsdauer.
Doch auch dieses Einnahmemodell ist sehr erfolgreich:
ElitePartner kommt 2011 auf einen Umsatz von 25 Millionen €,
PARSHIP kam 2010 sogar auch 55 Millionen $.

Paid Memberships-Modellle sind erfolgreich

Wenn man sich die unterschiedlichen Plattformen anschaut, tauchen neben Werbung auch die Paid Memberships als große Einnahmequelle auf.
Der Trend geht ganz klar in diese Richtung und gerade Special-Interest-Portale nutzen diese Einnahmequelle bereits seit vielen Jahren und sehr erfolgreich.
Wir waren bereits damals (nein, der Onkel erzählt jetzt nicht „vom Krieg“, aber die Zeit von 2003 bis 2005 ist auch schon etwas her) bei Vipcode.de mit unserem Premiumzugang auch sehr erfolgreich (etwa 1.000 von den 30.000 aktiven Usern entschieden sich für dieses Modell) – wobei wir damals natürlich keine Konkurrenz á la Facebook & Co. hatten.

Es ist halt immer nur die Frage, wie man es umsetzt und vor allem, wie teuer der Zugang ist. Gerade kleinere Beträge (bis ~ 2€/ Monat) bei geringen (!) Einschränkungen der Basis-Zugänge dürften durch eine höhere Akzeptanz bei einer größeren Anzahl von Unsern eine erfolgreiche Einnahmequelle darstellen.

„Facebook pro“ dürfte aber wohl eher weniger Erfolg haben 😉 :

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