Andere Länder, andere Bewerbungen

Was dem einen sein handschriftliches Anschreiben,
ist dem anderen sein „to whom it may concern“.

Während für die korrekte Bewerbung der Bewerber bereits in Deutschland  durch ganz unterschiedliche Ansichten der vielen Karriereratgeber verunsichert wird, wird es bei der Bewerbung ins Ausland noch komplizierter.
Das für eine Bewerbung in Großbritannien oder den USA der Lebenslauf in englischer Sprache vorliegen sollte, wissen sicher noch die meisten, aber danach geht dann das große Rätselraten los.

Ich war mal so frei und habe die wichtigsten Punkte für eine Bewerbung in vier recht unterschiedlichen Ländern zusammengetragen und aufgelistet.

SCHWEIZ

Deutschland und die Schweiz sind durch eine gemeinsame Sprache verbunden …
Schön wär’s!
Im Norden, Osten und der Zentralschweiz ist Deutsch (resp. Schwyzerdütsch) die Verständigungssprache, doch in den anderen Landesteilen sieht es gleich ganz anders aus, hier kommt man ohne Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch nicht sehr weit.
Ein weiteres Problem: die Schweiz gehört nicht zur EU, es ist also nicht so einfach, als „Ausländer“ einen Job zu bekommen, zumal es eine jährliche Quote für ausländische Arbeitskräfte gibt. Weitere Informationen dazu: http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home.html

In eine ordentliche Papier-Bewerbung gehören in der Schweiz:

  • Anschreiben (maximal 1 Seite)
  • Lichtbild, datiert und mir Namen versehen
  • Lebenslauf, maximal 2 Seiten, chronologisch aufgebauter und unterschrieben
  • Zeugniskopien

Sonstige Qualifikationsnachweise werden nur auf Anfrage beigelegt.
Grenzgängerbescheinigung oder Ausländerausweis liegen bereits vor? Diese Info darf immer mit, freut sich doch die Personalabteilung über den geringeren Mehraufwand.
Es ist in der Schweiz durchaus üblich, Bewerber weniger aufgrund von Studienleistungen, sondern aufgrund bestimmter Persönlichkeitsmerkmale auszusuchen – trotzdem werden Bewerbungsschreiben und Lebenslauf gründlich analysiert. Die Einholung von Referenzen (inkl. Anrufe bei ehemaligen Arbeitgebern) sind üblich.

USA

Buzzword-Bingo gefällig? Die anglophone Arbeitswelt steht auf „Power-Words“, in den Staaten kann man sich sogar Seitenweise austoben, wenn man sich schriftlich bewirbt, per Mail hat man es dort aber lieber kurz & knackig.
Im Gegensatz zu den als ‚complete dossier‚ bezeichneten Bewerbungsmappen sind Bewerbungen per Mail sind absolut üblich (werden mittlerweile vielerorts sogar bevorzugt) und bestehen nur aus einem kurzen (!) Anschreiben und dem Lebenslauf.
Egal ob per Mail oder als complete dossier, Folgendes gehört NICHT hinein: Foto, Angaben zur Religion, Alter, Herkunft, Gehaltsforderung, Familienstand und Gesundheit
Auch unüblich ist die Angabe eines Einstiegszeitpunktes – in den USA wird bei einer Bewerbung vorausgesetzt, dass man dann auch kurzfristig anfangen kann.

Als PDF-Anhang für eine ordentliche Bewerbungsmail gehören in den USA:

  • Anschreiben, maximal eine Seite auf hochwertigem Papier (!), „Dear Vor- & Nachname“ als persönliche und direkte Anrede, den eignen Nutzen für die Firma möglichst konkreten darstellen. Für die Form des Anschreiben gilt: Eigene Adressdaten oben links, danach Datum, dann Adressat, Anrede des konkreten Ansprechpartners, Betreff und dann der Text.
  • Lebenslauf (‚resume‚), antichronologisch oder Thematisch, maximal 1 Seite, auf das Wesentliche beschränkt und individuell für jede Stelle zugeschnitten; für den Lebenslauf wird ein eigener „Briefkopf“ angefertigt, der (gerne mittig) Name und Kontaktdaten umfasst, KEIN FOTO, keine Datierung oder Unterschrift am Ende

Zu einer ordentlichen Bewerbungsmappe gehören in den USA:

  • Anschreiben, maximal eine Seite, besser auf hochwertigem Papier (gerne auch mit Wasserzeichen), „Dear Vor- & Nachname“ als persönliche und direkte Anrede, den eignen Nutzen für die Firma möglichst konkreten darstellen. Für die Form des Anschreiben gilt: Eigene Adressdaten oben links, danach Datum, dann Adressat, Anrede des konkreten Ansprechpartners, Betreff und dann der Text.
  • Bewerbungsformular des jeweiligen Unternehmens
  • Lebenslauf (‚resume‚), antichronologisch oder Thematisch, 2 Seiten (besser jedoch nur 1 Seite), auf das Wesentliche beschränkt und individuell für jede Stelle zugeschnitten; für den Lebenslauf wird ein eigener „Briefkopf“ angefertigt, der (gerne mittig) Name und Kontaktdaten umfasst, KEIN FOTO, keine Datierung oder Unterschrift am Ende
  • Referenzschreiben (‚Letters of Recommendation‘)
  • Arbeitsproben (bei kreativen berufen)
  • Qualifikationsbelege (auch Urkunden oder Belobigungen)
  • ‚Transcript‘ – eine Tabelle in der Kurse und Noten des Studiums aufgelistet werden

Wenn die nötigen Unterlagen für eine Arbeitserlaubnis bereits vorhanden sind, sollte dies unbedingt im Anschreiben erwähnt werden. Ein (beharrliches aber höfliches !) Nachhaken nach 4-5 Tagen ist üblich und wird teilweise sogar erwartet, wird es doch als professionell empfunden.

UK

Im Vereinigten Königreich schätzt man die eigene Sprache sehr. Auch wenn das Wort aus dem Amerikansischen Englisch lässiger klingt oder die Schreibweise schöner aussieht – British English ist Pflicht!
Bewerbungsmappen sind unüblich – man erhält seine Dokumente auch nicht zurück. Bewerbungen per E-Mail sind im Vereinigten Königreich deutlich verbreiteter, als in Deutschland, allerdings gelten auch dafür gewisse Regeln (Anschreiben in den Text der E-Mail, CV als PDF-Anhang).

Zu einer ordentlichen Bewerbung gehören im Vereinigten Königreich:

  • Anschreiben (‚covering letter‚), maximal eine unterschriebene (!) Seite – unter Beachtung diverser Unterschiede (Adressat oben links, konkreten Ansprechpartner anreden, Betreff zwischen Anrede und Text
  • Lebenslauf (‚CV‘ / ‚Curriculum Vitae‚), antichronologisch, maximal 2 Seiten; Noten sind anzugeben und ins Englische System zu übersetzen; Hobby gehören dann unbedingt hinein, wenn sie einen Bezug zur Stelle haben; irrelevante Berufserfahrungen fallen dafür raus; keine Datierung oder Unterschrift am Ende
  • Angabe von 1-2 Referenzgebern (Name & Kontaktdaten)

Diverse Zeugnisse werden nicht der Bewerbung beigelegt, sollten aber zum Bewerbungsgespräch mitgenommen werden.
Weitere hilfreiche Tipps gibt es unter http://www.direct.gov.uk/en/Employment/Jobseekers/index.htm

FRANKREICH

Vive la différence! In Frankreich dürfen es in entsprechenden Branchen (also nicht Banking & Finance) gerne auch außergewöhnlich kreative Bewerbungen sein – vielleicht hätte ich mich in Frankreich bewerben sollen, wären da nicht meine miserablen Französischkenntnisse, denn dass ist Unternehmen in Frankreich wirklich sehr wichtig!

Zu einer ordentlichen Bewerbung gehören in Frankreich:

  • Anschreiben (‚lettre de motivation‚), in der Regeln handschriftlich, „Madame/ Monsieur“ ohne Nachname als Anrede, Motivation mit engem Bezug zur Stelle detailliert erläutern, dabei zurückhaltende und sehr höfliche Formulierungen wählen, die „vorzügliche Hochachtung“ als Abschluss – darunter geht es nicht
  • Lebenslauf, antichronologisch, gerne auch mit Angabe von Hobbys und einem Hinweis zur Karriereplanung, das Ganze dann bestenfalls unter 1 Seite, gerne mit Foto, niemals unterschrieben; es sollten ALLE Positionen angegeben werden (KEINE LÜCKEN!), relevante Positionen werden mit Details hervorgehoben.
  • KEINE Zeugnisse, es sei denn, es wird ausdrücklich danach verlangt

Genauso wenig, wie auf Referenzen und Zeugnisse wert gelegt wird, ist auch die Form fast irrelevant. Die Unterlagen kommen im Briefumschlag auch gefaltet an (Bewerbungsmappen gibt es nicht), zurückgeschickt werden sie nicht. In Frankreich gilt übrigens: keine Antwort = Absage.

 

Ich bin der neugierige Geek und schreibe hier so rum.
Im normalen Leben bin ich Experte für Marketingaufbau und B2B-Marketing, Start-up Enthusiast, Kickstarter-Backer und Investor.
  • Verena

    Ich möchte mich bald für eine Stelle in den USA bewerben und wusste bisher nicht wie ich das am besten angehe. Der Artikel war für mich deswegen sehr nützlich. Wenn es geht, würde ich mir am liebsten Hilfe bei holen. Ansonsten muss ich mich selbst durchbeißen.

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