Der Shirtstorm, der keiner war

Wie ein Shitstorm entsteht,
oder auch nicht…

Vor genau einem Monat schrieb ich bei twitter:

E wie einfach hatte schon ein paar Wochen zuvor einen kurzen Werbespot bei YouTube online, in dem ein junger Mann seiner Freundin eine Kopfnuss gibt, damit sie endlich „einschläft“.

Das Feminist(inn)en-Blog „Mädchenmannschaft“ schrieb dann auch darüber und wollte den Protest in die Weiten des Internet hinaus tragen (ich bekam es dann durch einen Kommilitonen über twitter mit).

Ja, das hätte ein ordentlicher Shitstorm werden können …

Es hatte ja auch irgendwie alles, was man dazu braucht

1. Ein „Skandal-Video

2. Eine sehr aktive Gruppe, die sich aufregte
http://maedchenmannschaft.net/e-wie-ekelhaft-gewaltverherrlichender-werbeclip/

3. Eine absolut bescheuerte Reaktion
„Wir wollten uns eigentlich lustig machen. Wenn das jemand falsch verstanden hat, tut uns das leid.“ [1. offizielle Stellungnahme von E wie Einfach]

4. Berichtende Medien
http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:sexismus-vorwurf-eon-tochter-blamiert-sich-mit-kopfnuss-video/70003566.html
http://t3n.de/news/eon-werbespot-kritik-372112/
http://www.horizont.net/aktuell/marketing/pages/protected/Sexismus-Vorwurf-E-wie-Einfach-zieht-TV-Spot-zurueck_106187.html
http://meedia.de/werbung/e-wie-ekelhaft-shitstorm-nach-kopfnuss-spot/2012/03/05.html

und dann passierte: NIX!

 

So ist das halt manchmal, da verpufft die Blase, bevor der Shitstorm richtig losgeht.
Da hat E wie einfach noch mal Glück gehabt und ich würde dringendst raten beim nächsten Mal vielleicht etwas genauer nachzudenken. Es sind ja meist Kleinigkeiten, die das große Chaos erzeugen (haben wir ja bei ING-DiBa gesehen, da war es die Kulisse „Metzgerei„, die für Ärger sorgte).

Warum es zu einem Shitstorm kam, lässt sich auch im Nachhinein nicht immer genau sagen und ebenso ist es in diesem Fall schwierig zu sagen, warum es keiner war, ein Shitstorm lebt aber immer vom Interesse der Masse an dem Thema.
Gab es hier ZU wenig Interesse?
Immerhin hat genug Presse darüber berichtet!
Vielleicht hätte die Mädchenmannschaft bei Alice Schwarzer anklopfen sollen, ich schätze sie hätte einen Offline-Shitstorm organisieren können und mehr Leute erreicht.

Vielleicht lag es aber einfach nur daran, das der Spot nicht skandalös genug war.
Ich persönlich fand den Spot nicht wirklich sexistisch, sondern einfach nur doof! Das ist unteres Niveau für den kurzen Lacher zwischendurch in einer Comedysendug, Samstag Abend im Privatfernsehen da kann man so einen „Witz“ zwischendurch mal bringen, aber als Werbespot taugt das definitiv nicht.
Zwar bezeichnet der Stromanbieter seine Kunden als „junge, kommunikative Menschen, die dank Harald Schmidt und Konsorten nicht zu hundert Prozent politisch korrekt sind“ [Zitat aus der WiWo], aber genau diese Menschen sind es auch, die den feinen Unterschied zwischen „geht“ und „geht gar nicht“ kennen und bei einem Shitstorm kräftig mitmischen.

Es war wohl genau das: der Spot war einfach nicht sexistisch genug, als das diejenigen, die sich hätte Aufregen können und sollen – eben jene „junge, kommunikative Menschen“ – nicht geschockt/ angewidert genug waren.

PS:
Das in den Medienberichten trotzdem von Shitstorm die Rede war, liegt vielleicht daran, dass nicht nur ich einen solchen erwartet hatte – und als Journalist will man ja gerne immer der erste gewesen sein, der es gesagt hat.

Ich bin der neugierige Geek und schreibe hier so rum.
Im normalen Leben bin ich Experte für Marketingaufbau und B2B-Marketing, Start-up Enthusiast, Kickstarter-Backer und Investor.

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