Um Antwort wird gebeten

Einige Personaler passen gut ins Fernsehen,
in die Sendung „Bitte melde dich“ …

Wenn ein Unternehmen ein Stellengesuch veröffentlicht, wartet es auf Antworten in Form von Bewerbungen. Doch beim Thema Rückantwort hört bei manchen Personalabteilungen die Kommunikationsfähigkeit abrupt auf.
Man kennt das Spiel, man schreibt eine (oder mehrere Bewerbungen) und dann wartet man auf Antwort – und es gibt schon sehr unterschiedliche Arten von Reaktionen. Gerade bei einer unkonventionellen Bewerbung wie meiner, bemerke ich das immer wieder. Interessanterweise sind die verschiedenen Antworttypen nicht mit der Größe des Unternehmens verbunden. Hier mal eine kleine Übersicht:

Empfangsbekenner
Hier haben wir Unternehmen, die wissen, dass man nicht nur die eigenen Mitarbeiter anständig behandeln sollte, sondern das bereits Bewerber etwas umsorgt gehören und wie ginge dies einfacher, als mit einer simplen Rückmeldung auf deren eingereichte Bewerbungen.
Durch eine Eingangsbestätigung sorgen diese Unternehmen gleichzeitig für eine Entlastung in den Personalabteilungen – die Nachfragen nach dem erfolgreichen Eingang fallen nämlich weg. Bei dieser Kategorie von Personalabteilungen gibt es zwei Varianten:

  • automatisch
    Gerade Online-Bewerbungen laden dazu ein, eine vorgefertigte Antwort an die Bewerber zu versenden. Manche Unternehmen bedienen sich der erhaltenen Datensätze und reden den Bewerber durch Platzhalter korrekt an, manchmal findet man aber auch so eine „Nachricht“ im Posteingang:

Sehr geehrte/r Bewerber/in,
vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse am Unternehmen XYZ.
Die sorgfältige Prüfung Ihrer Unterlagen wird etwas Zeit in Anspruch nehmen. Wir bitten Sie daher um ein wenig Geduld.
Bei Rückfragen zur Ihrer Bewerbung stehen wir Ihnen gern unter der in der Stellenanzeige genannten Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zur Verfügung.

 

  • persönlich
    Ich weiß natürlich nicht, ob die Firmen, die mir sehr persönlich geschrieben haben und dabei bereits auf meine Bewerbung eingegangen sind, dies bei allen Bewerbern tun. Ich zumindest fühle mich von meinem potentiellen Arbeitgeber bereits wertgeschätzt, bevor ich überhaupt dort anfangen hätte.


Zwischenmelder

Diese ganz seltene Spezies, die man vor allem bei langwierigen Bewerbungsprozessen findet, teilt dem Bewerber zwischendurch mit, dass er auch nach 4 Wochen noch im Rennen ist und sich einfach noch einmal einige Wochen gedulden muss.


die Dummen Stummen

Diese Kategorie ist irgendwie die Schlimmste, weil respektloseste. Man erhält einfach keine Antwort, auch keine Absage – in ganz schlimmen Fällen nicht mal auf Nachfrage!
Wer jetzt glaubt, diese Kategorie sei selten, der irrt leider. Es scheint in deutschen Personalabteilungen durchaus üblich zu sein, das Schweigen im Walde darstellen zu wollen. Natürlich bekommen viele Unternehmen eine sehr hohe Anzahl an Bewerbungen, aber wer sich überhaupt nicht meldet wird mit vielen Nachfragen konfrontiert, die der Personalabteilung dann noch mehr Zeit rauben.
Auch ist es mehr als nur unhöflich auf eine Nachfrage vertröstet zu werden und dann doch keine Antwort zu bekommen. Das ist nicht nur Stummheit, sondern bereits Dummheit. So etwas spricht sich unter Absolventen und Fachkräften herum und solche Unternehmen bekommen irgendwann gar kein qualifiziertes Personal mehr.


Das Ende
Am Ende einer Bewerbung liegt (solange das Unternehmen nicht stumm ist) entweder eine Einladung zum Vorstellungsgespräch oder eine Absage, doch auch hier gibt es unterschiedliche Verhaltensweisen:


Absage

Kommen wir gleich mal zum negativen Ende, denn hier liegt die eigentliche Kunst.
Einzig Sadisten werden wohl eine Freude daran haben Absagen zu verfassen, allen anderen dürfte dies – verständlicherweise – eher unangenehm sein. Doch einer muss es ja machen und darin, wie die Absage erfolgt, liegt wie gesagt die große Kunst.

  • nach Vordruck
    Die Folge von „nicht wollen, weil unangenehm“ ist allerdings noch viel grausamer, als die Absage an sich: unpersönliche Standardabsagen.
    Und die vermitteln eine eindeutige Botschaft: Du, Bewerber, bist nichts wert!
    Da hilft es auch nichts zu beteuern, dass die Absage keine negative Beurteilung der Fähigkeiten eines Bewerber ist, wem ein Bewerber nicht mal eine persönliche Absage wert ist, der zeigt dem Bewerber dadurch deutlich, dass er ihm egal ist.
    Vielleicht sollte man sich gerade in Zeiten von Fachkräftemangel an eine alte Weisheit erinnern: man sieht sich immer zweimal!
    Zumal in Zeiten von sozialen Netzwerken und dadurch immer vernetzteren Absolventen und Fachkräften die Gefahr eines abschreckenden, negativen Images durch schlechten Bewertungen bei kununu & Konsorten oder gar die eines Shitstorm allgegenwärtig ist.
  • persönlich
    Natürlich haben Absagen nach Vordruck einen entscheidende Vorteil: man ist rechtlich eher unangreifbar – gerade durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind viele Personalabteilungen höchst sensibilisiert. Als weiterer Grund für Standardabsagen wird gerne angeführt, dass es auch sehr Zeitaufwändig ist, auf jeden Bewerber ganz detailliert einzugehen.
    Dabei wäre es so einfach, eine  Standardabsage mit einigen persönlichen Elementen anzureichern und so dem Bewerber das gute Gefühl zu geben, sich eingehend mit seiner Bewerbung beschäftigt zu haben.
    Ein persönliche Anrede ist das absolute Minimum, auch der Absagegrund sollte – natürlich unter Berücksichtigung der AGG-rechtssicherheit für das Unternehmen – so konkret wie möglich genannt werden.
    Man kann auch noch die Stärken des Bewerbers hervorheben, das ist eine nette Geste und zeigt ihm, worauf er sich vielleicht stärker konzentrieren kann.
  • auf Nachfrage
    Gehören eigentlich schon fast in die Oberkategorie „die Stummen“, denn hier erhält man nur auf Nachfrage eine Absage. Mehr zum Bittsteller kann man einen Bewerber fast nicht abstempeln, respektlos.
  • Sofortretoure
    Hatte ich bisher nur ein einziges Mal, da hatte ich meine Bewerbungsmappe 2 Tage später bereits wieder im Briefkasten – ungelesen übrigens. Das hat meine eigentlich hohe Meinung, die das Unternehmen auf einer Jobmesse bei mir hinterlassen hatte absolut zerstört. Interessanterweise war die Stelle 2 Monate später erneut ausgeschrieben …


Soforteinladungen

Eine besondere Form der Zusage, da bekommt man 2-3 Tage nach dem Absenden der Bewerbung eine Mail und beim Öffnen denkt man noch eine Empfangsbestätigung, doch es ist direkt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch 3-4 Tage später – gut, ich sage ja explizit, dass ich sehr spontan bin, das ist also für mich kein Problem, auch wenn es meine Terminplan immer komplett auf den Kopf stellt.

Um Antwort wird gebeten
Natürlich ist es bei der Flut an Bewerbungen nicht immer leicht, sich bei allen Bewerbern zu melden, aber immerhin sucht das Unternehmen ja auch einen neuen Mitarbeiter, da sollte man sich schon von einer guten Seite zeigen.
Ein Traum wäre natürlich immer ein qualifiziertes Feedback zu einer Bewerbung zu bekommen, auch damit man sich, bzw. die Bewerbung verbessern kann. Langfristig käme dies sogar allen Unternehmen zugute, denn die Qualität der Bewerbungen würde steigen. Wunschtraum, ich weiß, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen …
In Zeiten von Online-Bewerbungen sollte es jedoch das Mindeste sein, den Bewerbern eine Antwortmail zukommen zu lassen …

PS: Persönlich muss ich allerdings anmerken, dass ich mit meiner aktuellen Bewerbung eher keine Probleme mit Nicht-Antworten habe. Ich habe auch das Gefühl, dass Absagen  immer sehr persönliche sind.

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